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Location: Helvete, Oberhausen
04. Oktober 2014

e-Trado GmbH

Lantlôs mit Falloch und Hallig

Lantlôs mit Falloch und Hallig Helvete Oberhausen

(04.10.2014) Mit dem neuen Album "Melting Sun" hat LANTLÔS endgültig die Pfade der Black Metal-Vergangenheit verlassen. Viel eher gibt man sich nun dem härteren Post-Rock hin, welcher jedoch schon immer Bestandteil des bandeigenen Sounds war. Zusammen mit den Schotten von FALLOCH geht die Nordrhein-westfälische Band auf große "Waves of Light"-Tour durch Europa und beendet die Tour am heutigen Abend in Oberhausen.
Um 19 Uhr sollen sich eigentlich die Tore des Oberhausener Metalclubs Helvete öffnen, jedoch lässt man die Fans vor der Halle noch ein paar Minuten warten. Doch soll das eh zum Standard des Abends werden. Erst um kurz nach 8 betritt der Local Support HALLIG die Bühne. Viel ist noch nicht los und so versammeln sich vielleicht 50 Nasen, während die Band ihren Black Metal auf das Publikum loslässt. Der eher traditionell anmutende Sound der deutschen Gruppe sorgt für vereinzelte Headbang-Attacken, ist allerdings nicht besonders aufregend. Jedoch muss man besonders dem Drummer einiges an Können attestieren. Sonst ist die halbe Stunde Spielzeit eher ereignislos, auch wenn der ein oder andere gute Moment sich in den Tracks versteckt.
Besser wird es mit den schottischen Post-Rockern von FALLOCH. Das Quartett lässt zwar auch eine gute halbe Stunde auf sich warten, kann mit den Kompositionen dafür die lange Wartezeit kompensieren. Viele Post-Rock-Bands verlieren sich in Unnötig langen Instrumentalparts oder lassen den Gesang komplett weg, FALLOCH hingegen findet eine gute Balance zwischen instrumentalen Passagen und Songwriting. Durch den sehr an BAYSIDE erinnernden Gesang lockern sich die Lieder auf und sind auch für FALLOCH-Neulinge wie mich nachzuvollziehen und interessant gestaltet. Scheinbar sieht es auch das Publikum so, da der Laden jetzt relativ voll ist und sich vor der Bühne der ein oder andere Fan verbirgt, der mit den Schotten schon vertraut ist. Knapp 40 Minuten rockt der Vierer durch ein gelungenes Set.
Erneut muss man eine halbe Stunde warten bis der Headliner LANTLÔS die Bretter betritt. Fans der Alben "Agape" und ".Neon" kommen genauso auf ihre Kosten, wie "Melting Sun"-Neueinsteiger. Jedoch kommt es für mich etwas unerwartet, dass das deutsche Quintett ihren Auftritt mit dem drückenden 'Intrauterin' von "Agape" eröffnet. Wer mit dem alten Material der Band nicht vertraut ist, wird vielleicht einen leichten Schock erleben. Kein Post-Rock, sondern eher Doom Metal und viel Gebrüll zeichnen den Opener aus. Auch das darauf folgende 'Bloody Lips and Paper Skin' schlägt in eine ähnliche kerbe, lässt jedoch den Black Metal-Einfluss der Anfangstage noch weiter hervor scheinen.
Dann kommen die neueren Post-Rock-Fans von LANTLÔS auch voll auf ihre Kosten, da die ersten vier Nummern von "Melting Sun" in der vom Album bekannten Reihenfolge zum Besten gegeben werden. Es ist auffällig, dass die Songs live etwas an Ecken und Kanten gewinnen. Highlight des Sets ist aber wohl das abschließende 'Coma' von ".Neon", welches eine ideale Balance zwischen (Post-)Black Metal und Post-Rock findet. Dann sollte nach einer knappen Stunde Schluss mit dem Set sein, aber durch das massive Wünschen einer Zugabe, gibt LANTLÔS nach kurzem Zögern noch einmal 'Melting Sun I: Azure Chimes' zum Besten, da sie sonst nichts anderes mehr zu bieten haben heute. Gute Geste der Jungs und ein schöner Abschluss für ein mehr als solides Set!

Text © by Sebastian Berning